Heizen mit Holzabfällen

von | 31. März 2022 | Nachhaltig leben

NATURSTROM-Kollegin Sabrina Docter war ihrer Zeit voraus. Als sie sich 2017 für eine Pelletheizung entscheidet, wird sie von ihren Nachbar:innen noch belächelt. Heute, fünf Jahre später, inmitten einer weltweiten Energiepreiskrise, freut sie sich nicht nur über vergleichsweise niedrige Heizkosten und die Unabhängigkeit von Energieimporten, sondern auch darüber, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Wie wollen wir nächsten Winter heizen? Diese Frage stellen sich gerade viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer. Schließlich ist nach der Heizperiode vor der Heizperiode und damit das nun beginnende Sommerhalbjahr genau der richtige Zeitpunkt, um auf eine nachhaltigere und günstigere Wärmeversorgung umzusteigen. NATURSTROM-Kollegin Sabrina Docter hat das vor fünf Jahren getan. Als sie das dreigeschossige Haus ihrer Großeltern, Baujahr 1930 (Haus, nicht Großeltern), erbt, investiert sie in eine neue Heizung. Nach reiflicher Überlegung und der Abwägung verschiedener moderner Heizalternativen entscheidet sie sich für eine Pelletheizung.

„Dass es etwas Nachhaltiges sein soll, stand von Anfang an fest. Heizen mit hundertprozentigem Biogas wäre aber bei 235 qm Wohnfläche einfach zu teuer gewesen. Leider kam auch Geothermie nicht in Frage, da wir wirklich tief bohren hätten müssen, um die Erdwärme effizient und effektiv zu nutzen“, erzählt Sabrina. Ihr Stiefvater, damals Mitarbeiter beim Pelletheizungsspezialisten ÖkoFEN, schlägt daraufhin eine Wärmeversorgung mittels Holz vor. Mit Anschaffungskosten von 36.000 bis 40.000 Euro ist eine Pelletheizung zwar deutlich teurer als eine Gasheizung, wird aber auch ordentlich bezuschusst und amortisiert sich nach acht bis zehn Jahren.

Im November 2017 beginnen die Umbaumaßnahmen, im Mai 2018 nimmt sie ihre Pelletheizung in Betrieb. Die befindet sich in Sabrinas Keller und besteht aus einem Heizkessel mit 16 Kilowatt (kW) Leistung sowie einem 600 Liter fassenden Pufferspeicher, der auch dann Warmwasser bereitstellt, wenn die Pelletheizung einmal nicht läuft. Ein weiterer Kellerraum dient Sabrina als Lagertank der Pellets. Das darin untergebrachte Pelletslager verfügt über ein Zugangsrohr zur Straße hin und wird einmal pro Jahr mittels Druckluft mit neuen Pellets befüllt. „Das dauert bei fünf Tonnen ca. 25 Minuten, dann ist der Tank auch komplett voll.“ Bis zu zweimal pro Tag saugt die Heizung eine Ladung Pellets in den internen Vorratsbehälter, die dann in kleinen Portionen im Brennraum der Anlage verfeuert werden. All das passiert ganz automatisch und ist natürlich gut abgesichert. „Wenn wir nicht heizen, brennt’s auch nicht.“

Von außen deutet nur die Solarthermie-Anlage auf dem Dach auf die klimafreundliche Wärmeversorgung innen hin.

Im November 2018 folgt noch eine Solarthermieanlage, die pro Jahr 3.000 bis 3.500 kWh Energie erzeugt und den Bewohner:innen vor allem in den Sommermonaten das komplette Warmwasser zur Verfügung stellt.

Da der Strom, den die Pelletsheizung zum Betrieb nutzt, dank naturstrom aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien kommt, ist Sabrinas Wärmeversorgung rundum nachhaltig. „Klar wird bei der Verbrennung von Holz CO2 freigesetzt – aber eben deutlich jüngeres als bei Kohle, Erdgas und Co, das vor Abermillionen Jahren gebunden wurde. Das CO2 aus dem verwendeten Holz haben die Bäume dagegen erst kurz zuvor gebunden – quasi ein Nullsummenspiel“, erklärt Sabrina.

Von außen recht unscheinbar: der Pelletsheizkessel.

Ihr umfangreiches Wissen rund um Erneuerbare Energien und die Energiewirtschaft in Deutschland gibt Sabrina bei NATURSTROM, Deutschlands größtem unabhängigen Ökostrom-Anbieter, in Schulungen an Kolleginnen und Kollegen weiter. Auch zu Hause ist Sabrina die Energieexpertin – aber ihr Mann holt auf. „Als wir uns die Pelletheizung angeschafft haben, hatte er noch nicht so viel Ahnung. Seitdem war er aber bei der Inbetriebnahme und bei drei der vier Wartungen dabei und hat sich viel erklären lassen. Mittlerweile kennt er die Tricks und Kniffe unserer Heizung mindestens genau so gut wie ich“, lacht Sabrina.

Die Pelletheizung ist ohnehin alles andere als wartungsintensiv. Einmal pro Jahr kommt der Heizungsbauer und überprüft Heizkessel und Co., zweimal jährlich reinigt der Schornsteinfeger den Schornstein vom Ruß. „An der Pelletsheizung war noch nie etwas kaputt. Allerdings bekommen wir ab und zu Fehlermeldungen, weil bspw. der Kessel sich beim Pellets-saugen „verschluckt“. Dies kann aber meistens über eine Fernwartung korrigiert werden.“ Möglich ist das, weil Sabrinas Heizung online ist und so Fehlermeldung nicht nur lokal angezeigt werden, sondern auch an Sabrina, ihren Mann, sowie Techniker:innen des Installateurs geschickt werden, die das Problem häufig bequem aus der Ferne beseitigen können.

Besonders wichtig ist Sabrina, dass das Holz, das in der Pelletheizung zum Einsatz kommt, ein Nebenprodukt lokaler Holzfabriken ist. „Pellets sind reine Abfallprodukte, für die kein Baum extra gefällt wird. Stattdessen ermöglichen sie die fast vollständige Resteverwertung eines für die Holzproduktion gefällten Baums, denn zum Einsatz kommen Sägenebenprodukte, Industrieholz und Waldrestholz, bspw. aus Sturmschäden.“, berichtet Sabrina. Je nach Außentemperaturen benötigt sie pro Heizsaison fünf bis sechs Tonnen Pellets. „Solange die Holzproduktion läuft, bekommst du ohne Probleme an Pellets, denn bei jedem Holzschnitt entstehen Holzstäube und -splitter, die dann zu Pellets weiterverarbeitet werden können.“ Vor der Pandemie hat sie ca. 240 Euro pro Tonne gezahlt, zuletzt waren es eher 390 Euro.

Holz ist nicht gleich Holz – auch bei Pellets gibt es Qualitätsunterschiede. „Bei denen, die wir kaufen, bleibt nach dem Verfeuern wenig Asche übrig. Je weniger überbleibt, desto besser.“ Dennoch: Etwa 25 Kilo Asche produziert die Pelletsheizung. Und die schmeißt Sabrina natürlich nicht einfach in den Müll – sondern aufs Blumenbeet. „Selbst in der Asche steckt noch wertvolle Energie, die wir unter unsere Blumenerde mischen. Das ist ein sehr guter Dünger.“

Der Pelletstank wird einmal pro Jahr aufgefüllt.

Mittlerweile heizen Sabrina und ihre Familie seit vier Jahren mit Holz – und freuen sich jede Heizperiode aufs Neue über ihre nachhaltige Wärmeversorgung sowie deren besonderen Geruch. „Wenn der Pelletkessel an ist, riechst du das sofort. Das duftet einfach immer nach Holzofen, wie in einer Räucherei – bloß ohne das Räuchern. Einfach weihnachtlich, das liebe ich sehr“, schwärmt Sabrina. Und auch die Nachbar:innen, die anfangs eher skeptisch gegenüber der ungewohnten und unbekannten Heiztechnik waren, sind mittlerweile überzeugt. Die (noch) nicht allzu häufig anzutreffende Wärmeversorgung der NATURSTROM-Mitarbeiterin ist immer wieder Thema bei Gesprächen über den Gartenzaun. „Viele loben uns für unsere damals weitsichtige Entscheidung und beißen sich heute angesichts hoher Gaspreise in den Hintern“, verrät Sabrina.

Eine klimafreundliche Wärmeversorgung ist allerdings nur die halbe Miete. Das weiß auch Sabrina. Deshalb haben sie und ihr Mann bei der Sanierung auch auf eine gute Dämmung geachtet, damit die aufwendig produzierte Wärme auch da bleibt, wo sie benötigt wird: in den Innenräumen. „Da hatten wir großes Glück, denn dank 50 cm Mauerdicke mussten wir hier nicht mehr viel tun, außer die Spitzböden vom Dach zu dämmen und wärmedämmende Spanndecken einzuziehen. Ebenfalls haben wir Fenster und Türen ersetzt oder abgedichtet. Und natürlich haben wir im Rahmen der Verrohrung auch darauf geachtet, alles gut zu dämmen, damit wir an freilegenden Rohren keinen Wärmeverlust haben.“

Mit der Kombination aus guter Dämmung und einer nachhaltigen Wärmeversorgung ist Sabrinas Familie optimal auf die nächste Heizperiode vorbereitet – und alle, die noch folgen.

Ähnliche Beiträge:

nadmin

nadmin

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert